Zensite.de - Ursprungstexte, Bilder und Klang des Zen, eine Website von Taiso Toku Ho

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Zen-Priester Taiso Toku Ho, ein langjähriger Schüler von Zen-Meister Tenryu Tenbreul, erhielt 1998 die Mönchsordination in der Soto-Linie des Zen-Buddhismus. Er hat mehrere buddhistische Schulen studiert und ist seit 1989 im Zen-Training. "Es gibt in den unterschiedlichen Zen-Schulen (Soto, Rinzai, Obaku und andere) Meinungsverschiedenheiten verschiedenster Art. Dies sind zumeist Auseinandersetzungen von Traumtänzern, Luftblasen auf den Wellen des großen Ozeans der zeitbedingten Vorstellungswelt. Alle Richtungen betonen jedoch die überragende Bedeutung von Zazen. Wenn ihr also den Geschmack von Zen kennenlernen wollt, muesst ihr Zazen praktizieren."

1. Den Weg üben
2. Einen geeigneten Lehrer wählen
3. Nicht-Denken
4. Karma
5. "Ich" und "Nicht-Ich"
6. Sex
7. "Ich bin Buddha"
8. Missverständnisse
9. Heutzutage und Früher. Fragmente
10. Was hat Bodhidharma gesehen?
11. Erleuchtet oder nicht

1. Den Weg üben
Den Zen-Weg üben bedeutet in erster Linie Zazen-Praxis, das Sitzen im Halb-Lotus oder Voll-Lotus, das ruhige, konzentrierte Ein- und Ausatmen.
Basis der Übung sind die fünf Vorschriften: Nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, nicht pervers sein und sich nicht berauschen.
"Ohne friedlichen Geist ist Zazen kein Zazen", sagte Kodo Sawaki.

2. Einen geeigneten Lehrer wählen
Es ist eminent wichtig von einem "geeigneten" Lehrer unterwiesen zu werden. Nicht jeder der sich Zen-Mönch oder jede die sich Zen-Nonne nennt ist - wie billig - fähig Zen zu lehren.
Es gibt viele, die sich als Wissende aufspielen und keine Ahnung vom Buddha-Dharma haben. Diese Leute sind schlimmer als Hundedreck. Sie schaden nicht nur sich selbst, sondern ziehen auch ihre Schüler mit auf den falschen Weg. (Die Geisteswissenschaften, insbesondere die Psychologie, und die Naturwissenschaften haben reichlich Erklärungen und Erklärungsansätze für dieses Verhalten. Im Buddhismus bezeichnet man solcherlei Gebaren als Vermessenheit, das Gegenteil von dem was Buddha lehrt.)

Verwendet grosse Sorgfalt bei der Wahl des Lehrers, wenn ihr euch unterweisen lassen wollt. Und habt ihr euch einmal entschieden, akzeptiert auch die Seiten des Meisters, die euch nicht so behagen und lauft nicht gleich weg, wenn es einmal schwierig wird. Selbst der Meister ist noch Schüler - und manchmal ist sogar der Schüler Meister, was aber im Zen eher die Ausnahme ist.
Allen die den Zen-Weg gehen wollen sollte klar sein, dass Zen kein Wohlfühlyoga ist, obwohl es uns natürlich zu einem guten Allgemeinbefinden führt, da Körper und Geist trainiert werden. Vergleiche ich meine damalige körperliche und geistige Verfassung, also bevor ich mit Zazen anfing, mit meiner jetzigen, so erlebe ich die heutige als besser. Das ist der unmittelbare Beweis für die positive Auswirkung von Zazen.
Zen ist eine Lebenshaltung.
Zen, Zazen (ein fähiger Meister) formt dich zu einem selbstbewussten, natürlichen Menschen bezogen auf deine ureigenen Möglichkeiten.

3. Nicht-Denken
Die Möglichkeiten die uns das "Denken" eröffnet, werden vielfach überschätzt.
Eine Heuschrecke macht einen Satz, landet und verkündet den Artgenossen: "Ich habe das Weltall erforscht."

Die Zen-Praxis beruht auf "Nicht-Denken" welches das "Denken" im herkömmlichen Sinn inbegriffen sieht. Es ist etwas anderes als die Logik in der Philosophie.
"Nicht-Denken" ist allumfassend und praktisch gleichzusetzen mit Satori (Erleuchtung).
"Nicht-Denken" ist immer hier, an diesem aktuellen Ort (Raum), in dieser aktuellen Zeit. Es ist das permanente Fliessen von einem Moment zum Nächsten, von einem Augenblick zum Anderen. Aber auch Stillstand ist "Nicht-Denken". Form und Nicht-Form gründen ebenfalls im "Nicht-Denken", wenn man sie als Worte betrachtet. Buddha und Nicht-Buddha, Wahrheit und Nicht-Wahrheit - kurz, alle Gegensatzpaare sind "Nicht-Denken".
"Nicht-Denken" ist die Spitze des höchsten Berges, "Nicht-Denken" ist die tiefste Tiefe im grossen Ozean - das gesamte Universum ist " Nicht-Denken".

"Nicht-Denken" ist nicht gleichbedeutend mit dem Anhalten von Denkaktivität oder dem Versuch die Denktätigkeit oder den Gedankenfluss zu unterbinden - man kann de facto nicht sagen was "Nicht-Denken" ist, sondern einzig was es nicht ist.
"Nicht-Denken" manifestiert sich in Myriaden Formen. Diese Worte zum Beispiel sind gleichermassen "Nicht-Denken".
Alle Wesen praktizieren "Nicht-Denken". Jedoch den Wenigsten ist "Nicht-Denken" bewusst. Aber ganz egal ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder nicht gewollt - "Nicht-Denken" ist der Anfang und "Nicht-Denken" ist das Ende und "Nicht-Denken" ist der Zwischenraum.

Ein Mönch fragte Ho: "Wie praktiziert man ´Nicht-Denken´?"
Ho sagte: "Nicht-Denken".

Frage:

Du hast auf die Frage wie man Nicht-Denken praktizieren könne nur mit einem Wort geantwortet: "Nicht-Denken". Wie soll man das verstehen?

Antwort:

Es ist in der Tat selbst für sehr intelligente Personen unmöglich Nicht-Denken via Intellekt zu verstehen - von Dummköpfen ganz zu schweigen. Was mit Nicht-Denken praktizieren gemeint ist, kann nur durch die Zazen-Übung (Shikantaza) erfahren werden. In der Übung wird es offenbar. Die es erfahren haben wissen, dass Nicht-Denken sich jeglicher Beschreibung entzieht. Darüber zu diskutieren was Nicht-Denken ist und was nicht, ist reine Zeitverschwendung. Genausogut könnte man seine Zeit mit dem Zählen von Sandkörnchen an irgendeinem Strand verbringen - absolut sinnlos.
Praktiziere Zazen unter der Anleitung eines erfahrenen Meisters und das Tor wird sich von selbst öffnen. Der Eine verwirklicht es innerhalb einer kurzen Zeitspanne, während andere je nach ihren karmischen Voraussetzungen länger benötigen. Aber mit Ausdauer und Diziplin erlangt es letztendlich jeder. Der alte Buddha Chao-Chou sagte: "Wenn einer selbst nach zwanzig Jahren Übung den Weg nicht erlangt hat, könnt ihr meinen Kopf abhacken und eine Reisschale daraus machen." Wenn ein Zen-Riese wie Chao-Chou so eine Aussage äussert, muss etwas dran sein. Jemand wie Chao Chou sagt sowas nicht aus Jux und Tollerei, sondern auf der Grundlage fundierter Zen-Erfahrung. Es ist also ratsam nicht weiter kostbare Zeit zu verschwenden und Zazen zu üben, damit sich deine Irrtümer, Ideen und Vorstellungen über das was diese Welt ist und was nicht, lichten. Durch die korrekte Zazen-Praxis verwirklicht sich Nicht-Denken - du trittst ein in die spirituelle Welt, die in der Tat etwas Wundervolles ist und sich doch nicht im Geringsten von genau dieser Welt hier und jetzt unterscheidet. Jedoch ohne konstante Übung hast du keine Chance und wirst leider weiter in einem bedauerlichem Zustand verweilen müssen. Übertreibe deine Übungen aber auch nicht. Der Buddhismus ist der Weg der Mitte, was bedeutet, dass Extreme weitestgehend vermieden werden sollten. Wenn dein Training aufrichtig ist, wirst du die daraus erwachsende Haltung ohne dass du dich speziell darum bemühen musst, automatisch mit hinüber in den Alltag nehmen.
Solltest du nicht über die körperlichen Voraussetzungen verfügen Zazen zu praktizieren, besteht auch die Möglichkeit, still für dich das "Nembutsu" zu rezitieren (Namu Amida Butsu). Der Buddha hat in seiner grenzenlosen Güte und seinem Mitgefühl mit den leidenden Wesen viele Varianten ersonnen, Nicht-Denken zu praktizieren und sich somit von den Leiden erzeugenden Ideen, Vorstellungen und Illusionen zu befreien.

4. Karma
Es ist und war noch nie die Intention des Buddhismus, sich in die aktuelle Tagespolitik einzumischen.

Der Buddha sagt uns was wir tun können, um gegenwärtiges Leiden zu bewältigen und zukünftiges Leiden an der Enstehung zu hindern.
Unsere gegenwärtige Situation ist das Resultat von uns begangener Handlungen(Karma). Nicht unser Nachbar oder wer auch immer ist für unsere Situation verantwortlich. Ich bin es selbst, der verantwortlich ist. Ich bin der Erbe meiner Taten. Viel einfacher und bequemer ist es die Schuld an unserer vielleicht nicht so guten Situation anderen zuzuweisen oder bei anderen zu suchen, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen.

Gute Taten erzeugen gutes Karma - üble Taten übles Karma.
Das Gesetz des Karma lässt sich nicht verdunkeln und ist an für sich recht unkompliziert: Tue nichts Böses und dir wird nichts Böses widerfahren. Wenn du nicht willst, dass man dir ein blaues Auge schlägt, ist es besser dem Anderen auch kein Veilchen zu verpassen. Wenn du nicht gerne verarscht werden möchtest, empfehle ich dir andere nicht zu verarschen. Wenn du hingegen gerne zum Narren gehalten werden möchtest, solltest du andere zum Narren halten. Wenn du nicht gerne belogen werden möchtest, ist es besser andere nicht zu belügen. Wenn du hingegen gerne belogen werden möchtest, solltest du andere belügen bis sich die Balken biegen. Das hört sich zynisch an, aber manchmal muß man auch solche Mittel verwenden - einfach um die Dinge klarer darzustellen.
Tue Gutes und du wirst die entsprechenden Früchte ernten. Es ist alles eine Frage der Zeit. Die Mechanik des Karma ist eisern. Was dir an Üblem widerfährt, ist das Ergebnis früherer Handlungen die weit, weit zurückliegen können.

Im Buddhismus sagen wir nicht: du sollst dies tun und jenes unterlassen. Es gibt hier keine Gebote. Du kannst an und für sich tun und lassen was du willst. Wir sagen sehr wohl: Sei dir darüber im Klaren, dass deine Handlungen Karma sind und neues Karma, welches sich in der Zukunft manifestiert, erzeugen.
Eine gute Tat erzeugt gutes Karma. Eine üble Tat erzeugt übles Karma und eine neutrale Tat erzeugt neutrales Karma.

Wir betrachten Leiden als willkommene Gelegenheit zurückliegendes übles Karma zu neutralisieren. Wir versuchen nicht vor Leiden zu fliehen.
Wir werden geboren und müssen, wenn unsere Zeit abgelaufen ist, in den Sarg. Das ist die Grundtatsache unseres Lebens. Das ist das Schicksal von jedem Lebewesen. Ich habe bis heute noch von keinem Mensch gehört, dem es anders ergangen wäre. Alles ist vergänglich, nichts ist von Dauer.

Was wir tun können, ist unser Leben so gestalten, dass wir indem wir jetzt üble Handlungen weitestgehend vermeiden zukünftiges übles Karma an der Entstehung hindern.
Wir sind manchmal sehr kompliziert darüber was "gutes Tun" ist. Es gibt Situationen in denen "übles Tun" "gutes Tun" ist und umgekehrt. Es ist unsere innere Haltung die den Unterschied macht: Tue ich Übles, um mir persönlich einen eigenen kleinen Vorteil zu verschaffen? - Es wird mir zum Nachteil gereichen. Oder lüge ich zum Beispiel, um einer anderen Person nicht zu schaden? Das sind zwei verschiedene Dinge.

Wir sollten immer das Wohl der Anderen im Auge behalten und dabei auch schon mal unser eigenes Wohlergehen hinten anstellen.

5. "Ich" und "Nicht-Ich"
"Ich" und "Nicht-Ich" sind zwei zentrale Begriffe im Buddhismus. Buddha sagt uns, dass das, was wir normalerweise als "Ich" oder "Person" bezeichnen eine Illusion ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass es kein "Ich" im konventionellen Sinn gibt, sondern es bedeutet zunächst, dass das "Ich" oder die "Person" keine in sich geschlossene Einheit unabhängig von allem anderen und somit etwas substanziell Eigenständiges darstellt.

Was ich aber sagen will ist etwas anderes: Jedes vierjährige Kind weiß heutzutage, dass alles ständig im Wandel begriffen ist von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute, von Sekunde zu Sekunde, von Zehntelsekunde zu Zehntelsekunde undsoweiter. So wie das "Ich". Der griechische Philosoph Heraklit meinte: "Wer in dieselben Flüsse hinabsteigt, dem fließt stets anderes Wasser zu." Und Bob Dylan singt: "Strike another match go start a new and its all over now, baby blue."
Also — Zen-Studenten pulverisieren ihr vorgestelltes "Ich" (Ego) mithilfe von Zazen - mit Körper und Geist... Die Falle hierbei ist - und nicht wenige Weggefährten stecken in dieser Falle, dass sie nun anstelle des "Ich" ein materialistisches Verständnis von "Nicht-Ich" bilden, also "Nicht-Ich" handhaben als wäre das etwas Substanzielles, indem sie zum Beispiel bewusst Fritz Bastian oder Sophie Thilo nennen. So zeigen sie mir, dass ihr Verständnis von "Nicht-Ich" in Wirklichkeit materialistisch ist. Das ist kein Buddhismus.

Das Gleiche gilt für das Mantra "Hier und Jetzt". Sobald man irgendeine Vorstellung mit "Hier und Jetzt" verbindet, also unterscheidet zwischen "Hier und Jetzt" und "Nicht-Hier und Jetzt", ist es auch schon aus mit "Hier und Jetzt", ist es "Hier und Jetzt-Abklatsch". Dennoch gehört auch "Hier und Jetzt-Abklatsch" schon immer zu "Hier und Jetzt", geradeso wie Erkenntnis und Blindheit untrennbar miteinander verbunden sind, geradeso wie die zwei Seiten einer Münze.

6. Sex
Wer die Welt nur aus einer bestimmten Perspektive heraus betrachtet und daran festhält, ist in den Augen von uns Buddhisten verrückt. Es gibt Leute die sehen die Welt nur durch das Tor des Sex. Sie sind bestimmt nicht frei vom haften an der Form, sondern kleben an der Form des geschlechtsbedingten Körpers. Buddhisten glauben, dass Geist keine bestimmte Form hat. Geist ist weder weiblich noch männlich ...

7. "Ich bin Buddha"
"Wir sind alle Buddhas". Richtig. Du bist ein Buddha, aber wenn du den Buddha-Weg nicht übst und dir nur von morgens bis abends vorsagst "Ich bin Buddha, ich bin Buddha, ich bin Buddha", bringt das überhaupt nichts. Man muß üben...Üben bedeutet zuallererst Zazen-Praxis, wie sie in Dogens " Die allumfassende Übung des Weges" erläutert wird. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Denken werden klar - "Ich bin Buddha" erstrahlt im wahren Licht.

8. Missverständnisse
In gewissen Maß stellt "europäisches Zen" zur Zeit die Religion von Leuten dar, welche glauben, sie könnten das Höchste erringen, ohne sich selbst zuvor im geringsten zu ändern oder zu bessern. Was üben sie, die glauben sie bräuchten sich üble Angewohnheiten und Fehler nicht abzugewöhnen? Den Buddha-Weg bestimmt nicht. Sie betrügen nur sich selbst und andere. Kann ein alkoholkranker Mensch genesen ohne das Trinken aufzugeben?

Das wahre Zen hat hierzulande noch nicht vollständig Einzug gehalten. Aus dem Kontext genommene Aussagen wie zum Beispiel die von Bodhidharma, der auf die Frage von Kaiser Wuti was die Essenz des Buddhismus sei, antwortete: Offene Weite - Nichts Heiliges, laden auch die Dummköpfe dazu ein, zu sagen "Ich bin Zen-Buddhist". Ganz unrecht haben sie nicht. Jedoch sollte man sie fragen: Hast du auch schon mal an einem Sesshin (mehrtägige Trainingsperiode) teilgenommen? Weißt du was Zazen ist? Kannst du auch nur zehn Minuten lang ruhig sitzen, ohne dich zu bewegen? Weißt du was ein Zafu ist, ein Zafuton?
Sakyamuni Buddha hat sechs Jahre lang in den Bergen meditiert. Du sagst "Ich bin Buddha". Kannst du auch nur eine Woche meditieren? Oder ist das alles nur Gerede?
Ein Jugendlicher will mal so gut Fußball spielen können wie Michael Ballack, aber er kommt nicht auf Idee zu denken: Ich bin Michael Ballack. Er weiß, dass es nicht ausreicht sonntags eine Stunde zu kicken, um in einer höheren Liga zu spielen. Nur ein kompletter Idiot denkt, wenn ich ab und zu mal trainiere kann ich auch in der Fußball-Bundesliga spielen - mit meinem Talent...
Indes gibt es viele verdrehte "Erwachsene" die denken "Ich bin Buddha", ohne jemals auch nur an einem mehrtägigen Sesshin teilgenommen zu haben.
"Ich bin Buddha " ist nicht nicht hier. Aber ohne Übung kann es sich nicht offenbaren und bleibt nichts weiter als ein Klischee.

9. Heutzutage und früher. Fragmente
Früher war Zen-Training für mich sehr anstrengend, ja zuweilen qualvoll. Ich habe nicht wenig gelitten. Eihei Dogen sagte einst sinngemäß:
"Von Anfang an haben wir die angeborene Möglichkeit Erleuchtung zu erlangen, weil wir von Anfang an Erleuchtung besitzen, das heisst wir sind von Anfang an der ´wahre Mensch´. Deshalb ist es eigentlich nutzlos, sich zu quälen, um Erleuchtung zu erreichen. Nichtsdestoweniger ist die Qual selber ein Schritt vorwärts zur Erleuchtung."
Ich habe mir diese Worte sehr zu Herzen genommen.
Paradoxie ist Zen-Leuten kein Fremdwort und im Gedicht lautet es:

Finster war’s, der Mond schien helle,
Auf der grünen, schneebedeckten Flur,
Als ein Wagen mit Blitzesschnelle,
Langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen sass eine alte Schachtel,
Zählte kaum noch zwanzig Jahr,
Neben ihr ein blonder Jüngling,
Blondgelockt sein schwarzes Haar.
Und der blondgelockte Jüngling
Mit dem rabenschwarzen Haar
Sass auf einer blauen Kiste,
Die schwarz angestrichen war.
Draussen standen viele Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft.
Als ein totgeschossner Hase
Rasend durch die Felder lief.

Wenn man sich an Worte klammert, kann man die Wahrheit nicht erfassen.

... heutzutage genieße ich das Leben in der transzendenten Welt, bin weder von Worten abhängig noch nicht-abhängig.

Es war erhebend für mich eines Tages aufzumerken: Ich bin(lebe) in der transzendenten Welt. Es hatte lange gedauert.
Dass ich nun in der transzendenten Welt lebe unterscheidet mich von den meisten. Man kennt sich in der transzendenten Welt.
Natürlich habe ich Empfindungen wie alle anderen auch. Ich freue mich, ärgere mich, mal bin ich traurig, ein anderes Mal froh. Jedoch gibt es keine Identifikation mit meinen Empfindungen, indem ich etwa denke: ich Toku Ho leide oder ich Toku Ho bin froh oder ich Toku Ho bin dieses und jenes. Wenn ich sage: Ich bin dies und das, ist das eine glatte Lüge, weil ich es besser weiß. Aber im Alltag reden wir einfach so in dieser Weise. Und das funktioniert leidlich. Wir sind sehr ungenau.

In der transzendenten Welt ist man gewissermaßen Zuschauer seiner selbst. Man hat Distanz zu diesem Wurm Ich. Das Handeln und das Tun(das Jagen und Fliehen, Kommen und Gehen) vieler in der realen Welt wichtigen und unwichtigen oder sich wichtig vorkommenden Personen, erscheint in der transzendenten Welt mitunter geradezu lächerlich(indes natürlich die spirituelle Fraktion der dekadenten Fraktion ebenso Anlass zu Gelächter bietet. Oder was sollen die Materialisten von Leuten denken, die stunden- und tagelang, manchmal wochenlang kerzengerade vor einer Wand sitzen ohne sich zu bewegen?) –

Freilich - jedes Handeln, jedes Tun, jeder Atemzug, jeder Moment, jeder Augenblick erfüllt im kosmischen Spiel seine ureigene Funktion.

Zen ist für mich heutzutage eine von vielen Blumen in meinem schönen Geist und ich arbeite beständig weiter an der Kultivierung meines Geistes jenseits von Buddha und Nicht-Buddha.

Durch Zazen-Praxis kultivieren wir Körper und Geist. Das ist klar. Wenn sie Zazen praktizieren kosmisieren sie Chaos ohne irgendwie Ordnung ins Chaos zu bringen. Man kann das eine nur buchstäblich vom anderen trennen, nicht wirklich. Kein Kosmos ohne Chaos. Sie müssen die Gegensätze übersteigen.

10. Was hat Bodhidharma gesehen?
Was hat Bodhidharma gesehen? Diese Frage ist für jeden Zen Schüler von entscheidender Bedeutung, weil die Antwort die Essenz des Zen beinhaltet.

Bodhidharma, der 28te indische Patriarch ging Ende des sechsten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung von Indien nach China, was in der damaligen Zeit nicht ungefährlich war. Er führte Zen in China ein. Durch den Kontakt mit dem chinesischen Boden erhielt Zen die typisch chinesische Prägung personifiziert durch Zen-Riesen wie Hui Neng, Chao-chou, Huang Po, Lin Chi, Ju Ching(Dogens Meister) um nur einige zu nennen. Sie und viele Meister nach ihnen haben genau das gesehen, was Bodhidharma gesehen hat. Was sie gesehen haben ist die Geheime Lehre des Zen. Die Geheime Lehre des Zen wird von Herz-Geist zu Herz-Geist unabhängig von den Schriften übermittelt. Auch heute wird die Lehre Bodhidharmas eins zu eins von Herz-Geist zu Herz-Geist weitergegeben.

Wenn manch alberne Leute in unserer Zeit Meisterwürden erhalten, bedeutet das nicht automatisch, dass sie an Bodhidharmas erleuchteter Sicht teilhaben. Erleuchtete Sicht ist natürlich unabhängig von Formalitäten.

Die Lehrmethoden der verschiedenen Richtungen (Soto, Lin Chi, Huang Po usw.) unterscheiden sich größtenteils voneinander. Das ist auf die Individualität der Individuen, auf deren Temperament, auf deren Natur zurückzuführen.
Fragt ein Lin Chi Meister beispielsweise einen Schüler: Was hat Bodhidharma gesehen? und der Schüler antwortet klügelnd "Nichts" und kommt sich irgendwie schlau dabei vor, lächelt vielleicht auch noch blöd in sich hinein - dann kann es schon mal passieren, dass der Meister ihm eine runterhaut. In der Soto-Richtung des Zen-Buddhismus sind wir weniger rabiat. Hier würde der Lehrer in einem solchen Fall vielleicht sagen: "Du musst dein Zazen Training intensivieren. Zen ist die Religion des Erwachens, nicht die des Schlafens." Aber letztendlich erreichen nahezu alle Schüler mit genügend Ausdauer Bodhidharmas erleuchtete Sicht, die Sicht Buddhas.

Es ist gewiss nicht so, dass die Soto-Lehre "besser" ist als die Lin Chi-Lehre oder umgekehrt die Lin-Chi Lehre "besser" als die Soto-Lehre. Die erleuchtete Sicht eines Lin Chi unterscheidet sich nicht von der eines Dogen. Beide haben gesehen, was Bodhidharma gesehen hat.

Was hat Bodhidharma gesehen? Die Lösung dieses Koans, dieser Frage erfordert die volle Konzentration und Anstrengung aller aufrichtigen Zen-Studenten.
Es ist auch nicht so, dass die Geheime Lehre Bodhidharma gesehen hat ...

11. Erleuchtet oder nicht
Wenn ihnen ein Licht aufgegangen ist, bilden sie sich nichts darauf ein. Kleben sie nicht daran. Ruhen sie sich nicht darauf aus.
Erleuchtet oder nicht — wir sind alle gewöhnliche Menschen. Tagsüber sind wir wach und nachts schlafen wir. Wir nehmen Nahrung auf und scheiden die Reste aus. Einmal sind wir gesund und einmal krank.
Letztendlich gehen wir alle den gleichen Weg: Wir werden geboren und wenn unsere Zeit abgelaufen ist, sterben wir.
Wenn sie jedoch an ihren gewonnenen Erkenntnissen festhalten sind bereits lebendig tot. Sie leben dann bildlich gesprochen in einer dicken Kruste bestehend aus Vorstellungen, Ideen, Kategorien und Ismen aller Art die ihnen ihr Leben bestenfalls als eine Posse oder wenn sie ein "Gefühlsmensch" sind, als eine Tragödie erscheinen lassen. Diese Kruste verdeckt, narkotisiert das wahre Wesen. Sie leben wie in einem Traum/Alptraum und halten ihre oft selbstgeschaffenen Einbildungen für Realität.
Üben sie Zazen, pulverisieren sie die Kruste und dringen sie durch zu ihrem wahren Selbst, welches wie sie sehen werden jenseits aller sagbaren Vorstellungen und Kategorien ist. Werden sie eins mit dem inneren Gewissheit der Buddhas.

Nun, was ist das wahre Selbst? Sakyamuni Buddha drehte auf dem Geierberg während einer Versammlung eine Blume in seiner Hand und Mahakasyapa sah und lächelte und verstand und verwirklichte im selben Augenblick sein wahres Selbst. Tendo Nyojo, der Meister von Dogen Zenji meinte, dass jemand, der sich ernsthaft entschließt, sein wahres Selbst zu verwirklichen (die Erleuchtung zu erreichen) und letztlich den Buddha-Weg erreicht, einem Bettelmönch gleicht, der seine Reisschale zerschmettert. Viele weitere anschauliche Beispiele könnten angeführt werden. Ich sage das wahre Selbst ist wahrhaft schön jenseits der Kategorien "häßlich und schön".