von Dogen Zenji Jeder Buddha und jeder Tathagata hat die wunderbare Fähigkeit, die höchste und vollkommene Erleuchtung zu erreichen; sie übertragen diese Erleuchtung unaufhörlich von einem auf den anderen. Diese Fähigkeit übersteigt menschliches Vermögen und Erkennen und ist nicht daran gebunden — es ist Jijuyu Samadhi, die richtige Methode und gebräuchliche Übertragung von Buddha zu Buddha. Um dieses Samadhi zu erlangen, musst du das wahre Tor des Zazen betreten — die beste Methode, die Erleuchtung zu offenbaren. Es ist in jedem vorhanden, aber ohne Übung kann es sich nicht offenbaren; erst wenn das Samadhi verwirklicht ist, kannst du es wahrnehmen. Eins oder viele, horizontal oder vertikal, können es nicht begrenzen oder beschreiben. Sprich davon, und es hat bereits deinen Mund gefüllt; lass es gehen, und es füllt deine Hände. Die Buddhas existieren im Jijuyu Samadhi ohne irgendeine Bindung; die Lebewesen existieren ebenfalls darin, jedoch ohne zu erkennen, wie ihr Bewusstsein und ihre Wahrnehmung wirken. Durch dieses Samadhi können wir die wahre Wirklichkeit und die vollständige Harmonie erlangen, du musst nur aufhören zu unterscheiden. Kurz nachdem ich begann, den Weg zu suchen, besuchte ich viele Lehrer in allen Teilen des Landes, um eine Antwort auf meine Fragen zu finden. Ich begegnete dem Priester Myozen vom Kenniji und studierte bei ihm neun Jahre. Er war der Hauptschüler des Patriarchen Eisai und der einzige, der das Wahre Dharma seines Meisters korrekt übermittelte. Keiner der anderen Schüler kann sich mit ihm vergleichen. Dann, während der großen Sung-Dynastie ging ich nach China und besuchte viele Orte, um die verschiedenen Methoden der fünf Schulen zu studieren und den richtigen Meister zu finden. Schließlich begegnete ich dem Zen-Meister Nyojo vom Berg Daibyakuho und übte mit ihm. Er beseitigte meine Zweifel und festigte meinen Geist in bezug auf die wahre Bedeutung der Übung. Im Jahr 1228 kehrte ich in die Heimat zurück und gelobte, das Dharma zum Wohle aller Wesen zu verbreiten, auch wenn es für mich sehr schwierig sein würde. Aufgrund des verfallenen Zustandes der Gesellschaft beschloss ich jedoch, einige Zeit zu warten. Den Wolken und Wasserpflanzen gleich trieb ich von Ort zu Ort, um in die Herzen der Lehrer zu schauen, die verkündeten, dass sie das Dharma weitergaben. Nachdem ich viele Menschen gesehen hatte, die niemals an Ruhm oder Glück dachten, ernsthaft nach dem Buddha-Weg suchten und durch schlechte Lehrer in die Irre geführt wurden, wunderte ich mich, wie der wahre Samen des Pranja in ihnen wachsen könne. Sie waren verwirrt, und ihr Verständnis war zerstört; wie konnten sie den großen Weg erreichen? Deshalb entschloss ich mich, mein dahin treibendes Leben aufzugeben und das Wahre Dharma zu lehren und zu verbreiten, indem ich die Vorschriften und die Beispiele, die ich in den chinesischen Zen-Klöstern der Sung-Dynastie studiert und vernommen hatte, zusammenstellte. Ich hoffe, das wird das Wahre Dharma bewahren. Das ist doch wesentlich oder nicht! Bei der Versammlung auf dem Geierberg verlieh Shakyamuni-Buddha das Wahre Dharma an Mahakasyapa und dann wurde es von Patriarch zu Patriarch weitergegeben bis zu Bodhidharma. Bodhidharma ging dann nach China und übergab es Eka. Dies war die erste wahre Übertragung der Zen-Lehre an den Osten. Dann wurde das Dharma den nachfolgenden Patriarchen bis zu Daikan Eno, dem sechsten Patriarchen, übergeben. In dieser Zeit war das Wahre Dharma in China weitverbreitet, und frei von sektiererischen oder rationalistischen Einflüssen. Seine zwei Hauptschüler, Nangaku Ejo und Suigen Gyoshi, erbten das Siegel des Buddha-Geistes und wurden Lehrer der Menschen und Götter. Ihre Schulen vergrößerten und entwickelten sich schrittweise zu den fünf Schulen — Hogen, Igyo, Soto, Ummon und Rinzai. Gegenwärtig ist nur die Rinzai-Schule im ganzen Land weitverbreitet. Obgleich jede Schule ihre eigenen Merkmale hat, gründen sich alle auf das Siegel des Buddha-Geistes. Der Buddhismus war sehr einflussreich und verbreitete sich, nach seiner Einführung in China, während der späten Han-Dynastie (67 v. Chr.), schnell; es gab jedoch auch verschiedene andere Lehren, und es war niemals entschieden, welches die beste war, bis Bodhidharma scharf allen widersprechenden und verwirrenden Lehren ein Ende machte und den Vorrang des Wahren Dharma begründete, das sich dann schnell verbreitete. Ich hoffe, dass in unserem Land das gleiche geschieht. Alle Buddhas und Patriarchen, die das Buddha-Dharma bewahrt haben, bestehen darauf, dass das richtige Sitzen im Jijuyu Samadhi der Weg ist, die Erleuchtung zu erlangen. In beiden Ländern, Indien und China, befolgten alle, die die Erleuchtung erreichten, diese Übung. Die Weitergabe vom Meister zum Schüler basiert auf dem Empfang und der Bewahrung dieses Samadhis. Der echten Tradition folgend ist diese Übertragung das eigentliche Buddha-Dharma. Wenn du mit einem wahren Meister übst und seine Lehre annimmst, ist es nicht notwendig, Weihrauch zu verbrennen, Verbeugungen zu machen, das Nembutsu zu rezitieren, zu büßen oder die Sutras zu studieren — lass nur Körper und Geist abfallen! Auch wenn du nur für einen Moment im Jijuyu Samadhi sitzt, ist das Siegel des Buddha-Geistes in deinem Körper, in deinem Geist und in deinen Worten eingeprägt; gleichzeitig ist die ganze Erscheinungswelt ebenfalls mit dem Siegel des Buddha-Geistes versehen — der ganze Raum ist Erleuchtung. Die erleuchtete Freude der Tathagatas nimmt zu, und ihre wundervollen Eigenschaften erneuern sich selbst. Alle Wesen in den zehn Richtungen des Alls, auf den drei Wegen und in den sechs Welten sind rein und klar in Körper und Geist; sie verwirklichen die vollkommene Befreiung und offenbaren ihre ursprüngliche Gestalt als die Erleuchtung Buddhas. Das heißt, die Mannigfaltigkeit der erscheinenden Objekte selbst ist Buddhas Erleuchtung — sein Körper, sein Sitzen unter dem Bodhibaum, sein Drehen des Rades des Gesetzes; all das offenbart die vollkommenste Form von Prajna. Da Erleuchtete die Möglichkeit haben, ihre Verdienste zu übertragen, haben die Menschen, die Zazen üben, teil an der Wahrheit, die Buddha erlangt hat und legen deshalb ihren Körper und Geist und alle weltlichen Bindungen ab. Ihre Einsicht (Prajña) durchdringt sogar das allerkleinste Staubteilchen und bildet, vervollkommnet und entwickelt die Buddhaschaft und jedes Dharma. Land, Bäume, Gräser, Hecken, Mauern und Ziegel — der ganze Bereich des Dharmadhatu kann vom Standpunkt der Erleuchtung wahrgenommen werden, um das Werk Buddhas zu verrichten. Alle Menschen erhalten, ohne sich dessen bewusst zu sein, die Unterstützung von Wind und Wasser; und weil Erleuchtete ihre Verdienste übertragen können, erhalten alle Menschen, ohne es zu merken, die Unterstützung von Buddhas wunderbarer und unbegreiflicher Lehre und vermögen so, ihre angeborene Erleuchtung zu offenbaren. Diese ursprüngliche, angeborene Erleuchtung durchdringt das ganze All und verwandelt sich in unerschöpflichen Buddha-Verdienst, der unlösbar mit dem unendlichen, unaufhörlichen, unbegreiflichen und unsagbaren Buddha-Dharma verbunden ist. Denke jedoch nicht, dass du eine solche Verwirklichung bewusst während des Zazen erfahren wirst; das wahre Erwachen taucht durch die vollkommene Stille, jenseits des Bewusstseins auf. Wenn du wie die gewöhnlichen Leute denkst, dass Übung und Erleuchtung verschieden sind, dann müsste es eine gegenseitige Wahrnehmung zwischen dem Zen-Übenden und seiner Erleuchtung geben. Dies ist falsch, weil es keine Unterscheidung innerhalb der Erleuchtung gibt. Obwohl Störungen und Täuschungen während des Zazen kommen und gehen mögen, erscheinen diese innerhalb des Jijuyu Samadhi und werden deshalb zu Erleuchtung verwandelt und stören nicht. Sie sind ebenfalls die Tätigkeit von Buddha; sie sind äußerst tiefgründig und haben eine unermessliche Kraft. Ihre Kraft durchdringt Bäume, Gräser und die Erde; sie strahlt das grosse Wahre Licht aus und verkündet das tiefe, unbegreifliche und unaufhörliche Dharma. Bäume, Gräser, eine Mauer, eine Hecke, sie alle verkünden das Dharma zum Wohle von allen — gewöhnlichen Leuten, Weisen und Lebewesen. Und auch das Umgekehrte ist wahr. Ferner ist die Grenze zwischen deiner Selbst-Erleuchtung und der der anderen mit Erleuchtung durchdrungen; sie wirken wechselseitig zusammen. Das heißt, das Zazen belebt und vereint alle Formen der Existenz, wenn es auch nur für kurze Zeit von jemandem ausgeübt wird. Es umfasst die unendliche Zeit und durchdringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, während es gleichzeitig unaufhörlich für die Erleuchtung aller Lebewesen wirkt. Buddhas, Lebewesen und Erscheinungen haben nur eine Form der Übung und eine unteilbare Erleuchtung. Sie begrenzt sich nicht nur auf die Übung des Zazen. Das Echo der Leerheit zu hören, gleicht dem wunderbaren Klang eines Hammers, bevor und nachdem er eine Glocke anschlägt. Außerdem hat jedes menschliche Wesen seine eigene ursprüngliche Natur und Tätigkeit, die über jedem rationalen Denken steht. Auch wenn alle unzählbaren Buddhas des ganzen Alls ihre Weisheit verbinden würden, um den Verdienst des Zazen einer Person zu ermessen, könnten sie es nicht ergründen. Nun siehst du, wie unermesslich der Verdienst des Zazen ist. |
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